Kurze Historie / Hintergrund und Auswirkungen

Älteste Hinweise auf die Linkshändigkeit führen zurück in das Zeitalter der Eiszeit. Im Prähistorikum soll einst die linke Hand bevorzugt worden sein, während aus der Steinzeit ungefähr gleich viele Steinwerkzeuge für Links- wie für Rechtshänder gefunden wurden.
Mit der Bronzezeit trat eine Bewertung von rechts und links ein. Die Erfindung der Waffen machte schließlich eine fixierte Arbeitsteilung der Hände notwendig und bedingte die Bevorzugung der rechten Hand.
In den großen Religionen wurde die rechte Hand positiv, die linke eher negativ belegt.
So haben sich Wertungen in Historie, Kultur, Religion und Aberglaube in teilweise schwerwiegenden Vorurteilen gegenüber der linken Seite manifestiert, die auch in der Neuzeit erfahrbar waren und bis heute sind. Mit Beginn der Industriealisierung wurden Maschinen viel eher auf die Benutzung als Rechtshänder ausgelegt...
In der Entwicklung der Sprache wird  "links" im negativen Sinn und "rechts" im positiven Sinn gebraucht.

Auch in unserer heutigen Zeit - so wie schon seit Jahrhunderten - ist das Leben als Linkshänder noch immer keine Selbstverständlichkeit. Anknüpfend an Traditionen, uralte Überlieferungen und alte Gefühlsprägungen wird die Linkshändigkeit vielfach immer noch als Abweichung von der Norm gesehen, was zu Problemen und Schwierigkeiten im täglichen Ablauf des Lebens führt. Ein Rechtshänder kann diese noch nicht einmal annähernd nachvollziehen und verstehen, da sich unsere Gesellschaft mit dem Problem der „nicht gelebten Linkshändigkeit“ - ein Linkshänder, der (un)bewusst als scheinbarer Rechtshänder in einer „intakten“ Rechtshandwelt lebt - nicht auseinandersetzt. Wir müssen uns im Klaren sein, dass praktisch alle Gegenstände und Geräte im Berufs- und Alltagsleben für Rechtshänder konzipiert sind.
Der Linkshänder hat somit nicht nur Probleme mit dem Umgang sondern steht auch einem erhöhten Unfallrisiko bei der Benutzung derselben gegenüber; insbesondere ist die Bedienung von Sicherheitseinrichtungen, wie Stoppschalter von Maschinen für ihn schlecht erreichbar. Im Privatleben hat der Linkshänder ständig mit Handicaps zu kämpfen, denn lange Zeit waren Alltagsgegenstände wie Scheren, Messer, Dosenöffner, (nicht alle) Gemüseschäler, Füller, Bleistiftspitzer und vieles mehr für Linkshänder überhaupt nicht erhältlich bzw. mussten in entsprechenden Spezialgeschäften für überhöhte Preise erstanden werden. Von der für ihn falschen Anordnung der Hebel und Knöpfe zur Bedienung eines PKWs ganz zu schweigen.

 Familienberatung - Lachen ist die Basis des gegenseitigen Kennenlernens.

Ergebnis meiner Forschung, die ich nun seit 1961 betreibe, ist: Jeder zweite Mensch ist ein Linkshänder!

Seit dem Jahr 1976 gibt es immerhin einen internationalen Linkshändertag: den 13. August. Dieser ist nach der Gründung der „Lefthanders international“, durch Dean R. Campbell, 1975 entstanden, der auf die "Minorität" der Linkshänder aufmerksam machen wollte.

Seit dem Jahr 2003 wird diesem Tag nun wenigstens etwas mehr Interesse in den Medien und der Öffentlichkeit entgegengebracht.
Im Rahmen einer Pressekonferenz des „Internationalen Linkshändertages“ in München habe ich erstmalig über meine Forschungsergebnisse als Begründer und Leiter des Süddeutschen Instituts für Linkshandforschung berichtet. In Interviews im Rundfunk und mit verschiedenen Zeitungen konnte ich von meinen Untersuchungsergebnissen  berichten, aus denen sich ein Linkshänderanteil von 50% bei der Gesamtbevölkerung ergibt. Dies war das Ergebnis von über 40 Jahren Forschung und der Beobachtung bzw. Untersuchung von ca. 25.000 Menschen in verschiedenen Ländern in Europa und den USA.
Diese Zahl erregte erhebliches Aufsehen und auch Betroffenheit bei den anwesenden Journalisten, Politikern und sonstigen Zuhörern: Das Problem der bisher geglaubten Linkshänder-Minderheit, weshalb man sich ja hier zusammengefunden hatte,  war nun plötzlich zu einer Fragestellung für die Gesamtbevölkerung geworden. Bisher ging man selbst unter Fachleuten von 8 – 12% Linkshänderanteil in der Bevölkerung aus (vgl. damals aktuelle Literatur).
Unserer Gesellschaft der Rechtshändigkeit ist es über viele Jahrhunderte gelungen, den gleich großen Anteil an Linkshändern so zu unterdrücken, dass statistisch nur ein kleiner prozentualer Anteil übrig geblieben war. Selbst die wissenschaftliche Forschung war bisher auf diesen Minimalanteil fixiert und hatte mühsam versucht, dies zu begründen. Hinweise, dass dies nicht richtig ist, wurden nicht berücksichtigt.
Die seitherigen Berechnungen, dass es nur z.B.: 8 % Linkshänder gibt, wären nur zutreffend, wenn es sozusagen „Teil-Linkshänder“ und „ein bisschen Rechtshänder„ oder „doch eher noch mehr Linkshänder“ etc. geben würde. Aber: Die gibt es nicht!  Beidhänder, wie es  manche Menschen von sich behaupten, gibt es nun einmal auch nicht.

Wie schön - mit beiden Händen gleichwertig sein, aber die Gene sind dagegen.

Mit  beiden Händen gleich „gut sein“, das geht nicht. Wer beidseits schreiben
kann, 
wird in der Regel ein Linkshänder sein, der das rechtshändige Schreiben
mühsam erlernt hat; 
ein Rechtshänder hätte keinen Grund dies zu tun.
 

Kurze Zeit nach den Interviews im August 2003, die durch das Internet schnell bekannt wurden, „kletterten“ dort die Prozentzahlen der möglichen Linkshänderanteile in der Bevölkerung langsam nach oben, heute sind sie mit ca. 20-50 % immerhin 5-10-fach höher als noch vor ca. 10 Jahren.

Gut - wenigstens das hatten diese Interviews für die Linkshänder gebracht!

 Frau, 39 Jahre, Umstellungsübung zur Linkshänderin, 1992

Mit unserem Gehirn können wir nun einmal keine Spielchen treiben! Es verändert sich nur minimal unter riesigem Aufwand.
Lassen wir dem Linkshänder seine Linkshändigkeit und dem Rechtshänder seine Rechtshändigkeit.
Zusammen passen sie sowieso besser als nur Links-Links oder Rechts-Rechts!
 
Warum?

Ein Linkshänder hat den linken Arm und das linke Bein als „Führungsseite“, als aktive Seite, die rechte Seite ist eher passiv.
Ein Rechtshänder hat den rechten Arm und das rechte Bein als „Führungsseite“, die linke Seite ist eher passiv.
Wollen Sie nun als Rechtshänder/in mit der Linkshänder/in (und umgekehrt) Hand in Hand gehen, passen sich Handdruck und Gehweise automatisch aneinander an, beide gehen im Gleichtakt.
 
Warum? 

Die rechte Hand des/r Linkshänders(in) und die linke Hand des Rechtshänders(in) sind beide „passiv“ also geduldig ruhig, sie „verschmelzen“ ineinander. Keiner von beiden zieht oder zerrt am anderen.
Dasselbe gilt für die linke Hand des/r Linkshänders(in), wenn diese die rechte  Hand des Rechtshänders(in) fasst: beide Personen bieten ihre starke, aktive Hand an, somit sind sie wieder „gleichwertig“ und gehen automatisch nebeneinander her im Gleichtakt.

In Wissenschaft und Pädagogik wird die Problematik der nicht gelebten Linkshändigkeit teilweise erkannt und die Problematik der Umschulung von Linkshändern auf die rechte Hand schon über mehrere Jahrzehnte sehr kontrovers diskutiert.
Die bei mir im Kampfkunstunterricht (seit 1960) und meiner Arzttätigkeit (seit 1974) beobachteten Fehlsteuerungen und Blockierungen durch eine nicht gelebte Linkshändigkeit finden nun zunehmend auch in der modernen Forschung Beachtung.
Neu entwickelte Untersuchungsmethoden auf den verschiedensten Fachgebieten zeigen immer mehr die möglichen beträchtlichen Auswirkungen der nicht gelebten Linkshändigkeit auf den menschlichen Stoffwechsel, das Hormonsystem, unsere Organe und unsere Psyche auf. Wie stark die Auswirkungen der nicht gelebten Linkshändigkeit bei der betroffenen Person zum Tragen kommen, wird auch durch seine genetische Veranlagung, mit Dauerbelastung und Stress umgehen zu können, beeinflusst.
Insgesamt müssen wir davon ausgehen, dass die Erforschung der wirklichen Gesamtheit der Folgen der nicht gelebten Linkshändigkeit noch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen wird, da die klinische und universitäre Forschung leider Jahrzehnte hinter der Notwendigkeit, hier Klarheit zu schaffen, hinterherhinkt.
Leider steht auch die erziehungspraktische Auseinandersetzung im pädagogischen Bereich mit diesem Thema erst in ihren Anfängen. Falsch verstandene Traditionen, eigene Emotionen und mangelnde Anpassungsfähigkeit verhindern oder verzögern die Umsetzung der teilweise schon seit Jahren vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse und Erkenntnisse. Das bereits bekannte Wissen, soweit es auch wissenschaftlich abgesichert ist, findet nur sehr langsam Eintritt in die Gesetze, Richtlinien, Normen, Bildungspläne etc. und somit leiden die vielen erkannten und unerkannten Linkshänder auch weiter unter den Zwängen des rechts orientierten Alltags.
Nun gibt es kein gut oder schlecht in der Händigkeit, aber verschiedene positive Möglichkeiten, wenn sowohl im Privatleben als auch im Beruf diese „Gegensätze“ der Händigkeit zusammen leben und arbeiten.
Im Rahmen einer Händigkeitsuntersuchung kann festgestellt werden, ob ein Mensch Links- oder Rechtshänder ist. Stellt sich dabei eine seither nicht bekannte Linkshändigkeit heraus, dann ist eine Umschulung oder Umstellung mehr als sinnvoll. 
Ein Mensch und sein Gehirn sind am effektivsten, wenn die natürliche, vererbte Händigkeit gelebt wird. 
Ein Zugewinn an Leistungsfähigkeit und Ausdauer von ca. 30 % ist dabei zu erreichen. So kann es in der Schule zu einer Verbesserung bis zu fast 2 Noten kommen.
 
Linkshänder sein oder nicht sein.........dieser Frage müssen wir uns stellen.

 

 

Hanns von Rolbeck: Linkshändigkeit, Linkshänder, Linkshänderberatung, Linkshandberatung, Linkshanduntersuchung, Linkshandumstellung,  Wiederumstellung auf Links, Rückumstellung auf Links, Linkshandforschung, ADS, ADHS, Stottern, Rechenschwäche

 

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